Am Wallfahrtsort Bethen ist ab sofort die Ausstellung „Zur Sache, zur Sache das Kreuz!“ zu sehen. Sie bietet einen historischen Überblick über Ereignisse im Jahr 1936, die als „Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland“ in die Geschichte eingegangen sind. Die 14 Tafeln sind auf dem Außengelände hinter der Gnadenkapelle frei zugänglich. Das Bischöflich Münstersche Offizialat (BMO) und die katholische Kirchengemeinde St. Marien Bethen erinnern damit an den Protest der Bevölkerung im Oldenburger Münsterland vor neunzig Jahren. Die Ausstellung ist Teil des Veranstaltungsjahres „Kreuz zeigen – weil Gesellschaft Haltung braucht.“ Damit möchten die katholische Kirche, die Landkreise Vechta und Cloppenburg sowie die Stadt Cloppenburg die Geschichte wachhalten und zur Frage animieren, wie die Menschen heute Kreuz zeigen.
Im November 1936 erließ Julius Pauly, der oldenburgische Minister für Kirche und Schulen, den sogenannten Kreuzerlass. Er verbot religiöse Zeichen in öffentlichen Gebäuden – darunter Kruzifixe in Schulen. Die Bevölkerung des Oldenburger Landes widersetzte sich. Protestbriefe, Delegationen nach Oldenburg und massiver Protest bei einer Versammlung in der Cloppenburger Münsterlandhalle am 25. November 1936 brachten den Gauleiter Carl Röver zur Rücknahme des Erlasses. Der Preis für den Widerstand war hoch: Mehrere Männer wurden im Anschluss verhaftet und in ein KZ überführt, wo sie Misshandlungen erlitten. Es sei wichtig, sich an die Ereignisse des Kreuzkampfes zu erinnern, „weil wir uns an Menschen erinnern, für die das ewige Leben und Werte eine große Rolle spielten“, erklärte Privatdozentin Dr. Maria Anna Zumholz eine Intention der Ausstellung. Die Historikerin hatte das Material zusammengetragen. „Meines Erachtens müssen Werte heute wieder viel mehr ins Bewusstsein gerückt werden. Und diese Menschen damals waren wirklich bereit, für ihre Werte, für ihre Religion, ihre Freiheit, ihren Besitz, ihr Leben aufs Spiel zu setzen.“ Dieses Bewusstsein fehle heute vielfach, sagte Zumholz.
Aus dem Material hat Dr. Ludger Heuer, Mitarbeiter im BMO, die Tafeln erstellt. „Für manche Menschen im Oldenburger Land ist der Begriff Kreuzkampf noch eine blasse Erinnerung aus der Heimatkunde. Die möchten wir auffrischen. Unsere Gesellschaft braucht Rückgrat. Hier erzählt uns die Geschichte Beispiele dafür, dass Menschen als Christen Haltung gezeigt haben“, erklärt Heuer. „In Bethen begann der Widerstand. Daher haben wir die Ausstellung hier platziert.“
Bischof Clemens August von Galen, der spätere Kardinal, würdigte dieses Ereignis in einer Predigt am 7. Oktober 1945 in Bethen: „Tatsächlich war es das erste Mal, dass deutsche Männer es wagten, gegen die Herrschaft der Partei in Gemeinschaft zu protestieren […] und einen Sieg errangen, der der Ruhm dieses Landes bleiben wird."
Es sei schön, dass die historischen Umstände jetzt in Bethen zu sehen seien, sagte Pfarrer Dr. Dirk Költgen. „Besucherinnen und Besucher können die Geschichte des Kreuzkampfes nachvollziehen und Schritt für Schritt sehen, wie sich dieses Geschehen entwickelt hat“, betont der Priester.
Weitere Informationen und Hintergründe zum Projekt unter www.kreuz-zeigen.de und auf Instagram: @kreuzzeigen. Die Ausstellung kann auch als Wanderausstellung gebucht werden.
Kontakt: Frau Denise Hodes, Telefon: 04441 – 872-200 / denise.hodes@bmo-vechta.de
Johannes Hörnemann
