Hans Dieter Hanekamp (56) hat in der Kirche Höhen und Tiefen erlebt. Jetzt steht er vor einem Wendepunkt. Schon als Jugendlicher hörte der gebürtige Scharreler in der Kirche aufmerksam und kritisch zu. „Ich hatte immer ganz feine Antennen dafür, ob das in der Predigt richtig und gerecht war“, erzählt er. Wenn ihm etwas unpassend erschien, sprach er es zuhause an. Oft habe das für Streit gesorgt. „Ich nabelte mich ab, entfremdete mich von der Kirche“, berichtet er. Rund 25 Jahre blieb Hanekamp ohne aktives kirchliches Engagement. Jetzt übernimmt er bald ein festes Amt in der Gemeinde, er wird Ständiger Diakon mit Zivilberuf in St. Jakobus Saterland. Die Taufe seiner drei Kinder und deren Kommunionfeiern führten ihn zurück in die Gemeinde. Am 15. November wird Hanekamp im Dom zu Münster zum Diakon geweiht.
Er ist Fachangestellter für Abwassertechnik, betreut im Hauptberuf häusliche Abwasseranlagen in ländlichen Gebieten. Der erste Gedanke an den Schritt zum Diakon kam 2015 von einem Kunden im Gespräch. Dieser sagte, Hanekamp könne wohl Nachfolger des ehemaligen Diakons der Gemeinde werden. Er verwarf die Idee zunächst. Fünf Jahre später kam das Thema erneut. Pfarrer Ludger Fischer fragte ihn, ob er sich den Weg und die Aufgabe zutraue. Hanekamp sagte nach wohlüberlegt zu. Sein bisheriges Leben lasse er nicht hinter sich, sagt er. Vielmehr wolle er Beruf, Familie und Glauben stärker verbinden. Seit 2022 absolviert er die Ausbildung gemeinsam mit zehn weiteren Männern. Pro Jahr fanden dazu etwa 16 Treffen in Münster statt. Seine Frau trage den zeitlichen Aufwand mit, erzählt er; auch das sei für ihn wichtig.
Auch jetzt führe er mit Menschen bereits regelmäßig intensive Gespräche, die man schon fast Seelsorgegespräche nennen könne, berichtet er. Wenn er zu Wartungsterminen bei Kunden im Außendienst ist, plant er nach Möglichkeit Zeitpuffer ein, um direkt auch kleinere Reparaturen erledigen zu können. Die zusätzliche Zeit führt oft zu Gesprächen, in denen Menschen von ihren Sorgen erzählen. Hanekamp schätzt solche Begegnungen. Ein Landwirt habe ihn einmal gefragt: „Was haben wir verkehrt gemacht?“ – und dabei Tränen in den Augen gehabt. Solche Erfahrungen prägen sein Verständnis davon, wo Kirche gebraucht wird. Mit Bezug auf Bischof Dr. Heiner Wilmer beschreibt Hanekamp sein Verständnis vom Amt des Diakons: „Geht an den Rand der Gesellschaft, geht zu den Menschen, dahin wo es weh tut, und sorgt dafür, dass Menschen eine Stimme kriegen, die man sonst gar nicht öffentlich wahrnimmt.“ Er sehe sich bei Menschen, die sich übersehen fühlen oder deren Anliegen wenig Gehör finden.
In der Gemeinde möchte Hanekamp nach seiner Diakonenweihe ansprechbar sein. Besonders am Herzen liegt ihm die Seniorenarbeit: Er möchte im St.-Michael-Stift in Bollingen möglichst regelmäßig Gottesdienst feiern. Außerdem organisiert er schon seit einigen Jahren Pilgerwochenenden für Männer. Unterwegs entsteht Gelegenheit zum Dialog – auch über Trauer und persönliche Belastungen. Hanekamp sieht darin eine Möglichkeit, Menschen unabhängig von ihrer Kirchenbindung zu begegnen. Als Handwerker, sagt er, treffe er viele auf Augenhöhe. Er wolle zuhören und Beziehungen knüpfen. Immer wieder höre man: ‚Kirche muss sich ändern'. Was das bedeute, darüber wolle er mit den Leuten ins Gespräch kommen. Er ahnt, dass für Menschen, die wie er im Handwerk tätig sind, zu ihm die Barriere geringer ist. „Da sehe ich eine vermittelnde Position für mich.“
Hanekamp wird neben seinem Hauptberuf als Diakon im Seelsorgeteam der Gemeinde St. Jakobus im Saterland eingesetzt.
